04.12.2016 VC Essen-Borbeck

 

Volleyballstandort Essen soll wegfallen. Landesleistungsstützpunkt Essen vor dem Aus.

 

Das wäre ein herber Schlag für den VC Essen-Borbeck, für die „Sportstadt Essen“ und vor allem für die jugendlichen Aktiven. Nach 30 Jahren soll der Landesleistungsstützpunkt Essen Mädchen, der vorrangig von den Vereinen VC Essen-Borbeck und VV Humann Essen bedient wurde, ersatzlos gestrichen werden. Der Standort steht auf der Streichliste des Westdeutschen Volleyball-Verbandes. Dabei können die Verantwortlichen mit Recht auf die Ausbildung zahlreicher Hallen- und Beachvolleyballnationalspieler und -spielerinnen verweisen.

Aktuell läuft es in Borbeck sportlich sehr gut. Das Flaggschiff, VC Allbau Essen, klopft als Aufsteiger an die Tür zur 2. Bundesliga Nord und auch weitere Borbecker Mannschaften stehen im oberen Drittel der Tabelle. Essen ist einer von dreizehn Landesleistungsstützpunkten des Westdeutschen Volleyball-Verbandes (WVV). Ende Oktober folgten die Stützpunktleiter der Einladung des neuen WVV Vizepräsidenten Sport, Peter Radomski (TSV Bayer Dormagen), zu einem Treffen der Verantwortlichen. Schnell wurde deutlich das der Verband auf die Vorwurfsebene hinaus wollte. "Die Punkte, die uns teilweise berechtigter Weise vorgehalten wurden, sind jedoch nicht von uns zu verantworten.", so VCB-Geschäftsführer Werzinger. Vor allem die marode Sporthalle Prinzenstraße sowie die durch die Flüchtlingssituation und Umstrukturierung des Sportunterrichts im Großraum Borbeck bedingte Wegnahme aller Hallenzeiten im Kinder- und Jugendbereich von 16:30 Uhr bis 18:00 Uhr sind ursächlich für die aktuelle Situation im Bereich der Nachwuchsarbeit bei uns. Es konnten weder Lehrgänge durchgeführt werden, noch konnten neue Gruppen installiert werden.

 

Die Stützpunkte werden aktuell neu ausgeschrieben. Die Ausschreibung kam Mitte November und die Bewerbungsfrist endete am 26. November. „Für mich ist es eine Alibi-Ausschreibung, denn sportpolitisch dürften die Entscheidungen längst gefallen sein. Wir werden uns dennoch bewerben. Denn plötzlich wurde der Stützpunkt Essen vom Verband auf dem Papier nach Vereinen aufgeteilt. Wir haben den E-Kader auch im zurückliegenden olympischen Zyklus in Essen trainiert. Dass der Regionalkadertrainer nach Gladbeck gewechselt ist und die leistungsstärksten Spielerinnen mitgenommen hat, möchte ich unkommentiert lassen." so Werzinger weiter.

 

Der Landessportbund hat in Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Volleyball Verband eine Reform der Spitzensportförderung angekündigt. Zurzeit werden viele Dinge sehr gründlich auf ihren Zukunftsbedarf untersucht. Dass Essen an der Ausbildung von 150 Erst- und Zweitligaspielerinnen in all den Jahren beteiligt war und in Rio mit der Goldmedaille im Beachvolleyball in seiner Arbeit bestätigt wurde, all das zählt offensichtlich nicht mehr.

 

Seit März 2016 ist Michael Werzinger nach etlichen Jahren zurück beim VC Essen-Borbeck. Seitdem versucht er mit aller Macht den Fokus auf vernünftige Hallenbedingungen und Trainingsinhalte zu legen. Mit drei von sechs Beachvolleyballern, die dieses Jahr bei den Olympischen Spielen in Rio an den Start gingen, hat er im Jugendalter gearbeitet und war als Sportwart selbst acht Jahre für die Leistungssportförderung im Westdeutschen Volleyball-Verband verantwortlich.

 

Der Stützpunkt Essen hat immer von der gegenseitigen Befruchtung durch VV Humann Essen und VC Essen-Borbeck gelebt. Der Stützpunkt hat vernünftig gearbeitet, nur wir als Verein werden aufgrund der gegebenen Umstände nicht mehr als ein adäquater Partner des Verbandes gesehen und nun bestraft. Die finanziellen Folgen sind enorm. Es fallen jährlich 4.500,00 Euro weg. Für den VC Essen-Borbeck ein immenser Betrag.

 

„Wir werden dennoch um den Fortbestand der Leistungsnachwuchsarbeit in Essen kämpfen. Wir liegen zentral im Ruhrgebiet und haben durch Signale aus der Politik die Hoffnung, dass die Sporthalle Prinzenstraße kurzfristig grundsaniert wird, wodurch im neuen olympischen Zeitraum wieder die gewohnte Qualität an leistungssportlicher Arbeit, die wir weiterhin leisten möchten, gewährleistet ist.“.